Ein Stein kommt ins Rollen

Die Morbacher Verwaltung überrascht neue Bäckerei mit einem außergewöhnlichen Geschenk.

Am frühen Donnerstagmorgen rollt ein Mitarbeiter der Verwaltung einen alten Stein mit einer Sackkarre durch die Hebegasse. Die Jahrgangszahl 1829 ist darauf zu lesen.

"Den Stein kenne ich doch", sagt Jupp Gemmel. Der 84-Jährige gilt als Morbacher Urgestein und ist auf dem Weg zum gerade eröffneten Bäckerei-Café Risch. Wie Gemmel erzählt, ist es der Grundstein der damaligen Winterschule, die hier früher einmal stand. "Da sind die Kinder von den dicksten Bauern hingegangen und haben untereinander geheiratet. So wurden sie immer reicher", erzählt er augenzwinkernd. Wie sich herausstellt, haben Gemeindemitarbeiter und Gemmel denselben Weg, den auch der gerade eingetroffene Bürgermeister Andreas Hackethal einschlägt. "Das ist meine Überraschung für Familie Risch, die hier in Morbach sehr viel investiert hat," erläutert Hackethal. Das Gebäude der ehemaligen Schule, in dem später das Fotogeschäft Thömmes war, galt jahrelang als Problem-Immobilie in Morbach und stand leer. Vor zwei Jahren gab es erste Gespräche mit der Bäckerei Risch in Allenbach, einem Familienunternehmen mit 60 Beschäftigten und fünf Filialen. Melanie und Patrick Risch fragten damals in der Verwaltung an, ob es in Morbach eine Möglichkeit gebe zu investieren und einen Standort zu eröffnen. Nach ersten Gesprächen fiel die Wahl auf die leerstehende und einsturzgefährdete Immobilie in der Ortsmitte.

"Den Abriss des alten Gebäudes konnten wir mit Geldern von Land, Kommune und Bund fördern," sagt Hackethal. Der Bau des Bäckerei-Cafés sei dabei nur ein Mosaikstein im Morbacher Stadtentwicklungskonzept (ISEKS), das inzwischen von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier genehmigt wurde. Für den Abriss im vergangenen Jahr wurde sogar eine vorzeitige Genehmigung erteilt. "Das konnten wir damals mit dem dringenden Handlungsbedarf gut begründen," sagt Hackethal. Nach der Feststellung eines Untersuchungs- und Sanierungsgebietes kann so Fördergeld von Land und Bund lockergemacht werden. In Morbach sollen so Leerstände und Baulücken in den nächsten Jahren mit Landeszuschüssen entwickelt werden, um den Ortskern zu sanieren. Auch für die Dörfer der Einheitsgemeinde ist ein solches Verfahren geplant (der TV berichtete mehrfach).

Im vergangenen Sommer wurde das Gebäude, das nach seiner Nutzung als Schule seit den 1940er Jahren als Geschäftshaus genutzt wurde, abgerissen und ein Neubau mit einem Bäckerei-Café und zwei Mietwohnungen gebaut. Auch neue Jobs gab es für Morbach. "Wir wurden schon im vergangenen Jahr angesprochen und haben über 40 Bewerbungen erhalten," sagt Patrick Risch. Zwölf Mitarbeiter konnten sie schließlich einstellen. Wie hoch die Investition war, will Risch jedoch nicht verraten. Dass während der Abrissarbeiten der Jahrgangsstein in der Verwaltung aufgehoben wurde, hielt Bürgermeister Hackethal währenddessen geheim. Umso größer war die Überraschung über das ungewöhnliche Geschenk am Donnerstagmorgen. Was nun mit dem Stein passiert? "Den werden wir auf jeden Fall am Gebäude oder vor dem Gebäude anbringen," sagt Melanie Risch.

Jupp Gemmel lässt sich indes seinen Kaffee schmecken: "Das ist doch prima, dass hier wieder was los ist!"

Extra: ORTSKERNENTWICKLUNG IN MORBACH

Das Land Rheinland-Pfalz hat auf Antrag der Gemeinde Teile des Ortskernes Morbach in das Städtebauförderprogramm "Stadtumbau" aufgenommen. Damit besteht die Möglichkeit, öffentliche, aber auch private Vorhaben aus Mitteln der Städtebau-förderung zu unterstützen. Die Verwaltung hat in Zusammenarbeit mit einem Planungsbüro ein Entwicklungskonzept erarbeitet. Haus- und Grundstücksbesitzer, deren Immobilien in dem vom Konzept festgelegten Gebiet liegen, können für Modernisierungsmaßnahmen bis zu 25000 Euro Förderung erhalten. Ansprechpartnerin bei der Morbacher Verwaltung ist Karin Eberhard, Telefon 06533/71-303, E-Mail: keberhard[at]morbach.de

Foto: Hans-Peter Linz

Foto: Hans-Peter Linz

18. September 2017

Von: Trierischer Volksfreund, Hans-Peter Linz

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