Gregor Eibes und die drei großen "E"

Das Thema Gebietsreform ist in aller Munde. Auch im Hunsrück sind die Kommunalpolitiker gespannt, wie der Vorschlag der Landesregierung aussehen wird. Bürgermeister Gregor Eibes drängt schon im Vorfeld darauf, an der Einheitsgemeinde Morbach nicht zu rütteln.

Entwicklung, Energiemix, und Einheitsgemeinde - das sind drei der wichtigsten Themen, die beim TV-Interview mit Bürgermeister Eibes zur Sprache kamen.
 
In Schulnoten, wie würden Sie derzeit den Standort Morbach bewerten?
 
Eibes: Auf jeden Fall mit einer Zwei. Wenn ich an die Arbeitsplätze denke, die Kaufstadt, die Infrastruktur in unseren Dörfern und an das Vereinsleben, dann ist die Note uneingeschränkt gerechtfertigt.
 
Das hört sich selbstbewusst an. Will Morbach denn weiterhin Mittelzentrum werden?
 
Eibes: Ja. Im Zusammenhang mit dem Landesentwicklungsprogramm (Lep IV) haben wir uns darum bemüht, zumindest mit Hermeskeil "kooperierendes Mittelzentrum" zu werden. Im jetzigen Entwurf bleibt es beim Grundzentrum. Ich fürchte, das Thema ist derzeit gegessen.
 
Das klingt nicht so, als ob Sie damit froh wären.
 
Eibes: Von der regionalen Bedeutung und der Infrastruktur her wird uns zugebilligt, faktisch ein Mittelzentrum zu sein. Allerdings fehlen uns Krankenhaus und Gymnasium. Der letzte Parameter wird durch die Einrichtung der Integrierten Gesamtschule (IGS) bis zum Abitur erfüllt. Und das Krankenhaus ist schon aus demografischen Gründen aus meiner Sicht eine nicht mehr haltbare Bedingung.
 
Die Gebietsreform wirft ihre Schatten voraus. Warum tut man sich auf Landesebene mit der Einheitsgemeinde so schwer?
 
Eibes: Es hat sicher mit der hierfür notwendigen Aufgabe der politischen Selbstständigkeit von Ortsgemeinden zu tun, an der zumindest öffentlich niemand rütteln will. Wenn man allerdings sieht, dass es heute in Rheinland-Pfalz eine Vielzahl an Ortsgemeinden unter 300 Einwohnern gibt, müsste man den Mut aufbringen, auch auf dieser Ebene neue Strukturen zu schaffen.
 
Als Modell für Rheinland-Pfalz ist die Einheitsgemeinde(EG) nicht im Gespräch. Was passiert mit der real existierenden EG Morbach in einer Gebietsreform?
 
Eibes: Würde man die EG Morbach bei einer angenommenen Verbandsgemeinde-Größe von 15 000 oder 20 000 Einwohnern in eine neue Verbandsgemeinde integrieren, hätte diese als eine von vielen Ortsgemeinden ein viel zu starkes Gewicht.
 
Und wenn man die Einheitsgemeinde wieder in ihre Bestandteile auflöst?
 
Eibes: Das würde ich für politisch unverantwortbar halten. Ich wüsste auch nicht, wie das gehen sollte. Finanziell gesehen würden bei dann 19 eigenständigen Ortsgemeinden 15 Totgeburten entstehen, die kaum handlungsfähig wären.  
 
Aber wie löst man das "Problem" dann?
 
Eibes: Am besten lässt man die Einheitsgemeinde, wie sie ist.
 
Und was, wenn nicht?
 
Eibes: Ich kann nur sagen: Hände weg von der Einheitsgemeinde. Die Morbacher Kommunalpolitik würde sich ansonsten geschlossen über alle Parteigrenzen hinweg entschieden wehren. Ich denke, unsere Einigkeit würde uns auch hier stark machen.
 

 
Apropos geschlossener Protest. Welche Chance sehen Sie, dass sich die notärztliche Versorgung in absehbarer Zeit bessert?
 
Eibes: Momentan ist leider noch keine befriedigende Lösung in Sicht. Aber dies werden wir so nicht hinnehmen, da auch der Bürger auf dem Land einen Anspruch auf eine akzeptable notärztliche Versorgung hat. Ich denke, dass auch die erfolgreiche Kundgebung noch einmal wachgerüttelt hat. Nächste Woche wird ein Gespräch bei Innenminister Bruch stattfinden, von dem ich mir neue Lösungsmöglichkeiten erhoffe.
 
Gestatten Sie mir einen Blick in die Zukunft. Wenn in 30 Jahren ein Trierer den Namen Morbach hört, was sollte ihm als erstes einfallen?
 
Eibes: Die energieautarke Gemeinde. Wir werden das Thema Nahwärmeversorgung noch in diesem Jahr konkret angehen. Auch dem Thema Windkraft wird man stärkere Beachtung schenken müssen, da die Windkraft mit die günstigste Art der Stromerzeugung darstellt. Ansonsten werden uns die steigenden Energiepreise überrollen und für unsere Bürgerinnen und Bürger nicht mehr finanzierbar sein.

05. September 2008

Von: Trierischer Volksfreund vom 05.09.2008, Ilse Rosenschild

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