Hunsrücker Narren erstürmen die Rathäuser

Rathausstürmungen in Thalfang und Morbach: Die Narren haben in beiden Verwaltungen die Macht übernommen. Gruselkabinett und demografischer Wandel waren die Themen.

Im Thalfanger Rathaus herrscht an Weiberfastnacht das Grauen: Schwarz-weiße Luftballons und Luftschlangen verdüstern die Atmosphäre. Und so mancher schwarzgewandete Rathausmitarbeiter, aus dessen Mundwinkeln das Blut läuft, scheint optisch aus dem Horror- und Gruselkabinett entsprungen zu sein. Doch dies ist Absicht, denn dieses Motto haben sich die Angestellten für diese Session gewählt. Und möglicherweise ist es ihnen auf diese Art und Weise gelungen, so manchen Narren vom Rathaussturm abzuhalten. „Wo sind sie denn, die Heidenburger Flappesse und die Berja Wackesse? Die sind in Schweich und Bernkastel, das ist doch klar, auf der Suche nach einem neuen Ehepaar“, dichtet der erste Beigeordnete Burkhard Graul spontan und erklärt so deren  Abwesenheit. So ist es einigen Damen aus Malborn, Neunkirchen und Immert sowie den als einzigem närrischen Verein in großer Zahl erschienenen Hilschder Scheierpoarzler vergönnt gewesen, den Rathausschlüssel von „Teilzeit-Chef“ Graul, der den erkrankten Bürgermeister Marc Hüllenkremer vertritt, in Empfang zu nehmen.

In seiner Büttenrede thematisiert der regierende „OB von Thalfang und Bäsch“ die Kommunalreform, die enorm schlaucht. Doch wie die „ausgeht, ist egal, wir feiern erst mal Karneval“, läutet er die närrischen Tage ein.

Im Morbacher Rathaus indes knackt es – nicht im Gebälk, sondern in den Knochen der Mitarbeiter, die sich dem demografischen Wandel als Thema gewidmet haben und mit grauen Haaren, Kittelschürze und dicken Wollstrümpfen bekleidet als Senioren mit 66 Jahren den Seniorenbus buchen und den geilen Alten auf der Mitfahrerbank zum Rumdüsen an Hunsrück, Mosel und Saar einladen. „Heute, da wo wir 70 sind, da sind wir voll gut drauf“, singen denn auch die ehemaligen 17-Jährigen mit „super Figur und hübschem Gesicht“. Den inzwischen schlüssellosen Bürgermeister Andreas Hackethal bleibt als Senior mit Spitzbart nichts anderes übrig, den Papagei auf seiner Schulter mit Likör zu füttern. „Der säuft wie ein Loch“, sagt er mit einem Grinsen hinter dem aufgeklebten Spitzbart. Bewahrheitet sich da etwa das Sprichwort „Wie der Herr, so’s Gescherr?“ „Das habe ich mir heute schon ein paar Mal anhören müssen“, lacht der abgesetzte Rathaus-Chef.

Dessen Macht haben bereits die in reicher Zahl erschienenen Morbacher Möhnen übernommen, die sich in ihren Vorträgen auch sofort mit einigen aktuellen Themen befasst haben. Zur Melodie des Schlagers  Mendocino beklagen sie den Wandel von Morbach City, das sich aufgrund vieler leerstehender Läden in eine Geisterstadt verwandelt. „Dafür haben wir schon jetzt zwei Spielcasinos.“ Die Befürchtung der Möhnen: „Hier wird es bald sein wie in Idar-Oberstein.“

Foto: Christoph Strouvelle

Foto: Christoph Strouvelle

09. Februar 2018

Von: Trierischer Volksfreund, Christoph Strouvelle

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