So schmeckt die Region - das ganze Jahr lang

Eine Broschüre bündelt sechs Kulinarikwochen in der Saar-Hunsrück-Region: Es geht um Wild, Knollen, Fisch und zwei frische Ideen.

Für Jörn Winkhaus gehören zwei Dinge untrennbar zusammen: „Wandern und einkehren - das passt“, sagt der Geschäftsführer der regionalen Tourismusagentur Hunsrück-Touristik. Dank des Saar-Hunsrück-Steigs mit seinen 111 Traumschleifen-Rundwegen, die bis nach Trier, ins Ruwertal und zum Saargau führen, sei die Region bundesweit als Wanderziel beliebt. Und der Gast stärke sich gern mit typischen Speisen aus der Gegend.

Genau das wollen sich die Tourismus-Fachleute noch mehr zunutze machen. Seit Anfang Januar gibt es eine Broschüre, die erstmals sechs kulinarische Veranstaltungsreihen in der Wanderregion bündelt. Alle Angebote nehmen regionaltypische Gerichte in den Fokus (siehe Info). Durch den „Kulinarischen Jahreskalender 2018“, koordiniert vom Wanderbüro Saar-Hunsrück in Losheim, sollen sie noch besser vermarktet werden. Die Startauflage liegt bei 50000 Stück.

Neue Angebote Mit dabei sind die Herbstklassiker Kartoffeltage und Wildwoche sowie im Frühjahr die Bettsäächertage, bei denen sich alles um den Löwenzahn dreht. Fortgesetzt wird im März das Fischfestival, das 2017 erfolgreich Premiere feierte. Zusätzlich gibt es zwei neue Angebote: Gastronomen aus dem Saarland, Hunsrück und Hochwald bieten erstmals alte Rezepte aus „Omas Küche“ (27. Januar bis 4. Februar) an, Ende Mai dann aus der „Kräuterküche“ (19. Mai bis 3. Juni). „Wir wollen den Gästen das ganze Jahr über was anbieten, auch außerhalb der Hochsaison“, sagt Walburga Meyer, Leiterin der Touristinformation in Kell am See. Für die zwei neuen Kulinarikwochen habe man die Gastronomen die Themen selbst auswählen lassen. „Der Vorschlag Omas Küche kam sehr gut an.“

Omas Küche Das bestätigt Michael Krämer vom Hotel Zur Post in Kell: „Alle waren begeistert. Wer hat schon noch Zeit für einen schönen Sonntagsbraten?“ Krämer bestreitet am 22. Januar die offizielle Eröffnungsveranstaltung und hat sich fachkundigen Beistand organisiert. Anneliese Lorscheider, Hauswirtschaftsmeisterin aus Grimburg, hat Rezepte von früher beigesteuert. „Sie sagte, wir müssten unbedingt Zidder machen. Das ist ein alter Mundartbegriff für Sülze, den ich gar nicht kannte“, sagt Krämer. In der Woche werde so einiges „ausgegraben“, auch vergessene Traditionen. Wie etwa die „Muffelchen“, eine in kleine Stücke geteilte Brotscheibe, die die Mutter früher auf den Tisch gestellt habe. „Das beleben wir jetzt wieder als eine Art regionale Häppchen.“

Alte Fleischrezepte Omas Küche soll den Blick auch darauf lenken, dass bei Schwein und Rind nicht nur die Filetstücke verwertbar sind, sagt Tourismus-Fachfrau Meyer. Für den Morbacher Metzger Klaus Gauer-Kneppel war genau das der Grund, das Thema vorzuschlagen. „Wir schlachten selbst und haben das große Problem, dass wir auf den Nicht-Edelteilen sitzenbleiben.“ Die alten Rezepte lieferten Ideen, um dieses Fleisch zuzubereiten: „Vielleicht ist das ein Anreiz für die Gastronomen und auch für die jungen Leute, wieder häufiger Rouladen zu kaufen.“ Auch das zweite neue Thema Kräuter im Mai sei eine gute Ergänzung, findet Walburga Meyer: „Leichte Küche passt zum Gefühl dieser Jahreszeit.“ Der Kreis der Teilnehmer sei bei allen Angeboten keineswegs geschlossen. Wer mitmachen wolle, müsse allerdings Zutaten aus der Region verwenden und Mitglied in einer Regionalinitiative wie Ebbes von Hei oder SooNahe sein.

Für Gudrun Rau, Geschäftsführerin des Naturparks Saar-Hunsrück, ist wichtig, dass die Erzeuger regionaler Produkte gestärkt werden: „Unsere Landschaft bleibt nur offen und attraktiv, wenn sie in Wert gesetzt wird.“ Indem man den „Geschmack“ anspreche, könne man ein Bewusstsein für die Heimat und die Lebensmittel vor der Haustür schaffen. Neben 37 beteiligten Gastronomen wirbt die Broschüre daher auch für die Produzenten - vom Obstbauer in Pluwig über das Tawerner Weingut und den Reinsfelder Bäcker bis zur Imkerei in Traben-Trarbach.

Noch kommt die Mehrheit der teilnehmenden Gastronomiebetriebe aus Hochwald und Hunsrück, weniger aus der Saar-Region. „Bei uns spielt das Regionaltypische schon immer eine große Rolle“, sagt Stefanie Koch, Chefin der Saar-Obermosel-Touristik. Aber viele Betriebe bewegten sich „im gehobenen Segment“ und könnten sich mit „Omas Küche“ womöglich weniger identifizieren.

Dennoch halte sie die Broschüre und die Kulinarikreihen für eine „gute Sache“, die perspektivisch noch mehr Betriebe von Saar und Obermosel ansprechen könne. „Das Thema Essen verbindet uns schließlich alle.“

Reaktionen der Gastronomen Ewald Boesen vom Hotel-Restaurant St. Erasmus in Trassem ist erstmals an Bord, bei fünf der sechs Genusswochen: „Wir arbeiten viel mit regionalen Produkten, etwa mit Wild. Und es sind schöne Themen dabei, zu denen man sich was einfallen lassen kann“, sagt Boesen. Positiv seien die „günstige Werbung“ und neue Kontakte zu Kollegen.

Eine Zusammenarbeit mit regionalen Erzeugern liege für ihn auf der Hand. Den Fisch fürs Hotel beziehe er beim Trassemer Forellengut. Gabi Rauland-Holzmann vom Landgasthof Rauland in Thalfang findet: „Ein Thema wie Omas Küche passt einfach zu uns. Wir sind ein alter Landgasthof und bereiten viele traditionelle Gerichte zu.“ Mit anderen Themen wie dem Fisch könne man „vielleicht neue Kunden gewinnen“.

Foto: Raphael Maas

Foto: Raphael Maas

12. Januar 2018

Von: Trierischer Volksfreund, Christa Weber

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