Bistumsreform: Pfarreien schlagen Alarm

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann will kleine Pfarreien zusammenlegen lassen. Statt 887 soll es bald nur noch 35 XXL-Pfarreien geben. Dann müssten die Gonzerather möglicherweise eine weite Strecke fahren, um in die Kirche zu kommen. Es gibt aber auch eine Alternative. „

Stellen Sie sich mal vor, wenn ältere Menschen im Winter von Gonzerath bis nach Hermeskeil für die Teilnahme an der Christmette fahren müssten, womöglich durch Schneetreiben. Das geht doch nicht“, sagt TV-Leser Willi Gorges. Die jüngsten Pläne des Bistums Trier sehen nämlich einen Zusammenschluss der Pfarreiengemeinschaft Monzelfeld mit dem 35 Kilometer entfernten Hermeskeil vor, so Gorges. „Wenn das kommt, dann hätten wir möglicherweise nur noch alle vier Wochen eine Messe hier in Gonzerath“, sagt der 78-Jährige. Zur Pfarreiengemeinschaft Monzelfeld mit Pastor Markus Weilhammer zählen Longkamp, Kommen, Gonzerath, Heinzerath, Merscheid, Elzerath, Haag, Monzelfeld und Rapperath. „Das sind zum Teil Nachbargemeinden aus der Verbandsgemeinde Bernkastel-Land, zu der wir bis 1976 gehörten, als wir dann in die Einheitsgemeinde Morbach gingen“, sagt Gorges.

Das sieht der Monzelfelder Pfarrer Markus Weilhammer ähnlich. Im Juni-Pfarrbrief wendet er sich an die Gemeinde. Noch sei nichts festgelegt, denn die sogenannte Resonanzphase, in der die Gläubigen der Pfarreien Feedback geben dürfen, laufe noch bis September. Diese Zeit gelte es wahrzunehmen, um seine Meinung zu äußern, online oder in einem Fragebogen, der den Pfarrbriefen beiliege. Weilhammer schreibt: „Der Entwurf sieht vor, dass die Pfarreien Rapperath, Merscheid, Haag und Gonzerath zur Pfarrei der Zukunft Hermeskeil kommen sollen und die Pfarreien Longkamp und Monzelfeld zur Pfarrei der Zukunft Bernkastel-Kues – ein bedenkenswerter Vorschlag!“ Eines sei bei all diesen Diskussionen ganz klar: Kirche sei immer ganz konkret vor Ort und müsse lebendig sein. Deshalb sei es wichtig, den Fragebogen auszufüllen. Weilhammer: „Wir haben in den Gremien besprochen eine Alternative vorzuschlagen. Möglich wäre eine Pfarrei in den Grenzen des Dekanats Bernkastel, unter anderem mit Thalfang, Morbach, Monzelfeld, Bernkastel-Kues, Piesport. Es ist jetzt wichtig, dass die Leute ihre Anliegen vorbringen. Man kann auch Briefe schreiben. Wenn keine Rückmeldung kommt, dann wird sich nichts tun.“

Jener Fragebogen, der den Pfarrbriefen beilag, sei aber sehr komplex und manch einer verstehe ihn nicht richtig, findet Willi Gorges. Elf Feststellungen können von „sehr wichtig“, bis „sehr unwichtig “eingestuft werden. Eine Kostprobe, die Frage 2.10: „Die Pfarreien der Zukunft haben alle die gleiche Struktur und Organisationsform, ihre Verwaltung folgt einheitlichen Vorgaben und möglichst standardisierten Prozessen. Ihre hauptamtliche Personalstärke entspricht ihrer Größe und Komplexität.“ „Den Leuten ist es wichtiger, zu wissen, ob sie zum Gottesdienst weit wegfahren müssen oder ob sie in ihren gewohnten Pfarrgemeinschaften bleiben“, findet Gorges.

Judith Rupp, stellvertretende Pressesprecherin im Bistum Trier, nimmt dazu Stellung: „Beim Entwurf für die Pfarreien der Zukunft wurden auch die Verkehrswege mitbedacht. Die Sorge, dass die Erreichbarkeit von Kirchen gerade für ältere Menschen nicht mehr so gut ist, wird geäußert. Unser Anliegen ist es, dass an ganz vielen Orten innerhalb der Pfarrei der Zukunft kirchliches Leben stattfindet, so dass die Wege auch in den weiten Räumen machbar sind. Welche Angebote das sind und wann diese sein werden, gilt es innerhalb der Pfarrei der Zukunft zu entwickeln.“ Die Textpassagen seien keine Fragen, sondern würden bestimmte Kriterien beschreiben. Dabei soll eine Balance zwischen städtischen und ländlichen Räumen gewährleistet werden. Im Fragebogen werde den Teilnehmern die Gelegenheit geboten, die Bedeutung dieses Kriteriums zu gewichten. Rupp: „Es geht eher um eine allgemeine Einschätzung, die in der Tat nicht die von einigen TV-Lesern geforderte Differenzierung bietet. Zugleich gibt es aber unter den Punkten 3.1 bis 3.7 die Möglichkeit, konkrete Vorschläge und Rückmeldungen zu den einzelnen Gesichtspunkten einzubringen sowie die Gestaltung der eigenen Pfarrei der Zukunft insgesamt zu bewerten.“

Insgesamt gebe es viele Rückmeldungen aus dem ganzen Bistum, bestätigt auch der Hermeskeiler Dechant Clemens Grünebach, der die Neugliederung der Pfarreien federführend begleitet. Es gebe Signale aus dem Bereich Schillingen/Kell/Mandern/Waldweiler, dass diese sich statt nach Saarburg eher nach Hermeskeil orientieren wollten. Weitere geäußerte Wünsche: Naurath will nach Hermeskeil, Teile Morbachs eher nach Bernkastel. „Wir lesen jede einzelne Stellungnahme“, verspricht Grünebach. Zu den Ängsten in Gonzerath bezüglich weiterer Wege zur Christmette sagt der Dechant: „Das stimmt ja so nicht. Es geht nicht darum, alles an einem Ort zu zentralisieren.“ An dem Pfarrzentrum in Hermeskeil werde eine pastorale Leitung mit Pfarrbüro und entsprechenden Verwaltungsstrukturen und ein „verlässliches liturgische Angebot“ eingerichtet. „Christmetten gibt es aber natürlich auch weiterhin in anderen Orten.“ Durch das Knüpfen von Netzwerken könne das Lokale vor Ort sogar gestärkt werden.

UMWANDLUNG

887 Pfarreien im Bistum Trier sollen in neue 35 XXL-Pfarreien umgewandelt werden. Das ist das Ergebnis der Trierer Diözesansynode, die 2013 das Thema anging. Das Ergebnis war ein Abschlussdokument „Herausgerufen – Schritte in die Zukunft wagen“, das im Frühjahr 2016 veröffentlicht wurde. Bis zum Herbst können Rückmeldungen erfolgen. Info: www.resonanz-bistum-trier.de (www.bistum-trier.de/heraus-gerufen/35-pdz/vorstellung-am-24-maerz-2017/kriterien-fuer-die-raumzuschnitte/).

MEINUNG

von Hans-Peter Linz

Klare Fragen, klare Antworten Man kann es nicht allen rechtmachen, sagt ein altes Sprichwort. Es ist völlig klar, dass das Bistum Trier versucht, mit der Bündelung auf besonders große Pfarreien Ressourcen besser zu nutzen. Dass dabei die Wege zu den Gotteshäusern womöglich länger werden, lässt sich dabei kaum vermeiden. Das wird wohl, neben der Häufigkeit der Gottesdienste und der Nähe der Pfarrer eines der wichtigsten Kriterien für die Gläubigen im Hunsrück und an der Mosel sein. Warum aber arbeitet der Fragebogen dann statt mit Fragen mit Feststellungen, die von wichtig bis unwichtig bewertet werden können? Es wäre zielführender gewesen, die Umfrage etwas sachlicher und verständlicher zu verfassen und dabei weniger verschwurbelte Fragen zu entwickeln, die man klar und ohne Nebensätze beantworten kann. Warum wird nicht klar und deutlich gefragt: Wie weit sind Sie bereit, zum Gottesdienst zu fahren? Fünf, 15 oder 30 Kilometer? Das wäre den Gläubigen gegenüber ehrlicher gewesen und die Antwort wäre ihnen gewiss leichter gefallen. hp.linz[at]volksfreund.de

Foto: Klaus Kimmling

Foto: Klaus Kimmling

14. Juli 2017

Von: Trierischer Volksfreund, Hans-Peter Linz

Ansprechpartner

Gemeindeverwaltung Morbach
Bahnhofstraße 19
54497 Morbach
Tel.: 06533/71-0
Fax: 06533/71-166
E-Mail: info@morbach.de