Die "Notfalldose": Idee aus dem Hunsrück hilft, wenn's schnell gehen muss

Der Medikamentenplan liegt im Bad und die Patientenverfügung im großen Papierstapel im Schrank. Wenn dann der Notarzt kommt, vergeht oft kostbare Zeit bei der Suche nach wichtigen Unterlagen. Doch auf dem Balkan gibt es jetzt eine ebenso simple wie effektive Lösung.

Die Dose ist weiß, trägt eine grüne Aufschrift und hat einen grünen Deckel. Die Maße entsprechen mit einer Höhe von zehn Zentimetern und 5,5 Zentimetern Durchmesser in etwa einem Glas Mayonnaise, das man zu Hause in der Kühlschranktür aufbewahrt. Und dort gehört die Notfalldose auch hin, sagt Achim Zender, Ortsvorsteher von Hoxel und zweiter Vorsitzender des Christlichen Vereins für Soziales Balkan. "Wir gehen davon aus, dass in jedem Haushalt ein Kühlschrank steht und Notärzte und Ersthelfer diese Dose dort auch finden", sagt er. "Deshalb soll sie dort ihren festen Platz finden."

In der Dose selbst steckt ein Infoblatt, auf dem die Bürger ihre Personalien sowie alle Fakten notieren können, die in einem Notfall von Ärzten und Ersthelfern zu berücksichtigen sind. Dazu gehören Notizen über Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Allergien oder Herzschrittmacher, aber auch über Medikamente, den zuständigen Hausarzt oder Kontaktpersonen, die bei einem Notfall zu verständigen sind.

"Wenn Helfer kommen, wissen diese oft nicht über Vorerkrankungen Bescheid", sagt Zender. "Es geht oft um Sekunden, und die Ärzte bekommen Informationen, für die sie sonst lange recherchieren müssen", sagt Karl-Heinz Erz, Vorsitzender des Vereins. Bei Notfällen herrsche oft Hektik, so dass Helfer nicht über alle relevanten gesundheitlichen Aspekte informiert werden. Erst recht gilt das, wenn der Patient bewusstlos ist und nicht befragt werden kann. Zudem leben immer mehr Menschen alleine, so dass Angehörige keine Auskunft geben können.

Auf dem Infoblatt in der Dose ist hingegen alles übersichtlich aufgeführt und kann von den Helfern sofort berücksichtigt werden, nennt Zender die Vorteile des neuen Systems. Die Dose kann bei einem Krankentransport problemlos mitgeführt werden.

Zudem können darin weitere Dokumente aufbewahrt werden, wie Patientenverfügungen oder Impfnachweise. Aufkleber an der Eingangstür und am Kühlschrank sollen Retter darüber informieren, dass sie in diesem Haushalt im Kühlschrank eine Notfalldose mit relevanten Informationen finden. Auf dem Infoblatt können auch weitergehende Details vermerkt werden, beispielsweise über zu versorgende Haustiere oder um Bedürftige, die der Patient selbst betreut.

250 Dosen zum Stückpreis von 1,50 Euro hat der Verein für Soziales jetzt angeschafft, die in den kommenden Tagen an alle Bürger über 70 Jahre in den drei Morbacher Ortsteilen Hoxel, Morscheid-Riedenburg und Wolzburg verteilt werden sollen.

Die Idee zu dieser Notfalldose kommt von den britischen Inseln, wo sie als Message in the Bottle bekannt ist, so Zender.

Der Hoxeler Ortsvorsteher selbst ist zufällig drauf gestoßen: Die Stadt Netphen im Siegerland hat diese Notfalldose im Januar 2017 eingeführt. "Wir erfinden also nichts Neues", sagt Zender. In Kürze wollen Erz und Zender Kontakt mit den Rettungsorganisationen aufnehmen und diese über das neue System informieren.

Kommentar

von Hans-Peter Linz

Eine Dose rettet Leben
Eine einleuchtende, einfache Idee - und trotzdem muss man erst einmal darauf kommen. Das taten die Briten, die auf diese Weise eine Dose entwickelt haben, die Leben retten kann. Gerade im ländlichen Raum, in dem die Anfahrtwege im Notfall unter Umständen länger sind als in der Stadt, ist eine solche Dose sinnvoll. Mit all den Informationen verkürzt sie die Frist bis zur Behandlung. In einem Notfall zählt schließlich jede Sekunde. Diese Notfalldosen sind aber noch nicht besonders bekannt in Deutschland. Deshalb ist es umso begrüßenswerter, dass der Christliche Verein für Soziales Balkan sich dafür einsetzt, die Dose an Frau und Mann zu bringen. In Zeiten des demografischen Wandels, also des Bevölkerungsrückgangs, der besonders den ländlichen Raum betrifft, wird es immer wichtiger, dass sich Bürger zu Selbsthilfegruppen zusammenschließen. Der erst vor wenigen Monaten gegründete Verein setzt sich besonders für die Belange der älteren Mitbewohner in den Dorfgemeinschaften ein, unter anderem organisiert er einen mobilen Lieferdienst für Mittagessen. Solche Initiativen sind ein wichtiger Beitrag, um die Infrastruktur der Einheitsgemeinde auch langfristig zu stärken. hp.linz[at]volksfreund.de

CHRISTLICHER VEREIN FÜR SOZIALES BALKAN
Der Christliche Verein für Soziales Balkan ist 2016 gegründet worden und hat 45 Mitglieder. Der Verein will in Hoxel, Morscheid-Riedenburg und Wolzburg soziale Themen besetzen und entsprechende Projekte umsetzen. Beispielsweise organisiert der Verein das Balkankesselche, bei dem ältere Bürger mit warmen Mahlzeiten versorgt werden.
 

Foto: Christoph Strouvelle

Foto: Christoph Strouvelle

09. Juni 2017

Von: Trierischer Volksfreund, Christoph Strouvelle und Hans-Peter Linz

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