Wo Satan auf die Sünder wartet

(Weiperath) Eine Sonderausstellung im Weiperather Holzmuseum wird an diesem Sonntag um 11 Uhr eröffnet. Dabei geht es um ganz besondere Türen.

Hinter dem Höllenschlund wartet Satan auf die armen Sünder. Die Nachbildung des riesigen Freskos aus der Heiligenbösch-Kirche bei Leisel, Kreis Birkenfeld, das vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammt, ist das größte Exponat der neuen Sonderausstellung "Ianua - Türen öffnen Welten" des Hunsrücker Holzmuseums. Sie wird an diesem Sonntag, 9. April, um 11 Uhr eröffnet.

Ianua ist Lateinisch und heißt Tür. Das Wort Januar, der Eingangspforte jedes neuen Jahres, ist daraus abgeleitet. Im Gespräch mit der Kuratorin und Leiterin des Teams, das die Exponate zusammenstellte und dazu viel recherchieren musste, verweist Annette Eiden-Schuh auf den tieferen Sinn, der von Türen ausgeht. "Wer nur das geringste Gespür für transzendentale Bedeutungen hat, sieht doch, dass die Tür nicht nur eine Öffnung in der Mauer ist", stellt sie fest. Eine Tür sei Ein- und Ausgang zugleich - auf die Perspektive kommt es an.

Türen haben Schlösser, und zwar seit Jahrtausenden. Nur wer willkommen oder befugt ist, darf hindurch. Ein Helfer im Holzmuseum, Hermann Thees, baute ein Fallriegelschloss so nach, wie es schon die alten Kelten vor 5000 Jahren genutzt haben.

"Schauen Sie, das funktioniert wie ein modernes Zylinderschloss, war aber aus Holz", erklärt er dem TV. Der Schlüssel hatte Aussparungen, die die Riegel im Schloss bewegten. Waren sie an der falschen Stelle, blieb das Schloss zu.

Viele Geschichten mussten für die Ausstellung gesammelt werden. Zum Beispiel zur Tür des Hochwaldcafés am Unteren Markt, die so gezeigt wird, wie sie im Jahr 1926 aussah, als das Haus Robert Reitz, dem Vater des späteren Filmregisseurs Edgar Reitz ("Heimat"), noch gehörte.

"In diesem Haus ist Edgar Reitz geboren worden", weiß Eiden-Schuh. Wenn Menschen heute ihre alten historischen Türen erneuern, würden sie manchmal gar nicht ahnen, welche Schätze sie mit der historischen Tür im wahrsten Sinne des Wortes aus den Angeln heben. Ein weiteres Fundstück ist zu sehen: Die römische Gottheit Janus ist für den Ein- und Ausgang, für Vergangenheit und Zukunft zuständig. Deshalb blickt der Kopf immer gleichzeitig in zwei Richtungen. Diese originale Gussform der Plastik von Ernst Alt von 1986 wird ausgestellt. Das Kunstwerk wurde für die Kirche St. Johann in Saarbrücken geschaffen.

"Alt ist ein regionaler Künstler, der in Merschbach aufgewachsen ist", erklärt Eiden-Schuh. Er habe, geprägt von seinen Hunsrücker Jahren, viel Sakralkunst geschaffen. Jeder der 19 Ortsbezirke wird durch Türenfotos vertreten sein. Die gesamte Ausstellung hat somit einen regionalen Bezug.

Sieben Türen werden aufgestellt. Sie stammen vom 17. Jahrhundert bis heute. Viele wurden zu festlichen Anlässen besonders geschmückt.

Antike Schlösser, Originalfunde aus Grabungen im Belginum und Trier, sind zu sehen, ein Schloss aus dem Barock, und ein ganz besonderes Häuschen - und zwar das mit dem Herz in der Tür. "Der Abtritt hat innen ein Sitzbrett und einen Kerzenhalter für das Bedürfnis in der Nacht", sagt die Kuratorin.

Erst lesen, dann wischen: Zeitungspapier ist auf dem Örtchen zu finden. Denn Toilettenpapier war damals zu teuer.

ERÖFFNUNG UND FÜHRUNGEN

Die Ausstellung Ianua, was auf Latein Tür heißt, wird am Sonntag, 9. April, um 11 Uhr im Hunsrücker Holzmuseum eröffnet. Sie wird bis 31. März 2019 zu sehen sein. Öffnungszeiten sind dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 10.30 bis 17 Uhr. Führungen durch die Ausstellung können nach Voranmeldung unter Telefon 06533/959750 organisiert werden. Besonders Schulklassen sind willkommen.

Foto: Herbert Thormeyer

Foto: Herbert Thormeyer

08. April 2017

Von: Trierischer Volksfreund, Herbert Thormeyer

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