Recken, Bogenschützen und Edelleute

(Hundheim) Das Mittelaltertreffen rund um die Burg Baldenau zieht über 10000 Besucher an.

Reichsgraf Sewaldus zieht seine Figuren auf dem Schachbrett. Zofe Viktoria hat keine Chance gegen den Adligen, der mit kleinem Hofstaat und edler Ausrüstung mit Zelt vor die Burg Baldenau gezogen ist. Nicht nur Ritter und niedere Stände haben vor der Wasserburg ihre Zelte aufgeschlagen.

"Das Lagerleben wollen wir so authentisch wie möglich darstellen", erklärt Dirk Rölleke vom Verein Burg Baldenau e.V. Zum vierten Mal wurde die historische Wasserburg umlagert, allerdings nur friedlich. Und an der Burg zu übernachten gehört einfach dazu.

Vor der Burg ruft Herold Uwe Böhm zum Bogenkampf. Nur wenige Schritte weiter messen sich die Ritter Schorsch de Boulogue aus Creutzwald und der Ritter vom Soonwald mit dem Schwert. Ihre Helme liegen in der Sonne und sind glühend heiß.

Weniger martialisch geht es bei Brettchenweberin Nicole Glöckner zu. Ihre kleinen Kunstwerke werden zu Gürteln und anderem textilen Schmuck verarbeitet.

Große Aufmerksamkeit erreicht Detlef Kotsch, der sich "Falkenreiter" nennt. Sein Steinadler Hugo ist bereits 17 Jahre alt. Schnell laufen Kinder zusammen, um dieses schöne Tier ganz nah zu sehen.

"Ich schätze, das sind an zwei Tagen 10000 Besucher", sagt der zweite Vorsitzende des Burgvereins, Thomas d’Avis. 25 Händler und 39 Gruppen, die vor der Burg lagern, sind gekommen, um zu leben wie im Mittelalter. "Zählt man die Kelten mit, dann entspricht das einem Zeitraum zwischen 500 und 1400 nach Christus", erklärt er. Alle gesellschaftlichen Stände sind vertreten. Und manche sprechen auch so. "Sag an, edler Herr, was zeigt Eure Uhr?" So wird man beim Spektakulum nach der Zeit gefragt, denn die Ritter haben ja keine Uhr.

Hintergrund des großen Spektakulums ist, dass die Burg wieder gesichert und gut genutzt werden soll. "Rund 850000 Euro würde das kosten", schätzt Rölleke. Strom und Wasseranschluss würden es fürs Erste auch schon tun. Aber vor allem die Mauern müssen gesichert werden, was allein schon 300000 Euro kosten kann. "Der Denkmalschutz schreibt uns authentische Baustoffe vor, und so was mauern kann auch nicht jede Firma", beklagt der Vorsitzende.

Seit einem Jahr sind die 32 Mitglieder des Vereins aktiv. Sie wollen die Burg retten, bevor sie zerfällt oder mit Vandalismus Schäden angerichtet werden. "Jeder Schluck ist bei diesem Fest eine gute Tat", erklärt es der Vorsitzende mit Humor.

Es geht ferner auch um die Bewahrung alten Handwerks. Und den entsprechenden Handwerkern konnte zugeschaut werden, dem Schmied, Korbflechtern, Kettenhemdmacher, Lederer, Spinnerinnen, Seiler und viele mehr.

VG-Bürgermeister Andreas Hackethal ist ganz auf der Seite der Bewahrer des Kleinods: "Wir geben jedes Jahr für die Burg schon 10 bis 20000 Euro aus." Ein Traum für den Verein wie für den Rathauschef wäre, dass der Turm wieder genutzt werden könnte. Dafür müsste aber viel Sicherungsarbeit daran geleistet werden. Anzupacken ist es auf jeden Fall, denn die Wasserburg sei schon aus touristischer Sicht viel zu wichtig, findet Hackethal.

Eine Gastronomie oder wenigstens ein Imbiss, das wäre toll an der Burg.

Foto: Herbert Thormeyer

Foto: Herbert Thormeyer

29. Mai 2017

Von: Trierischer Volksfreund, Herbert Thormeyer

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