Vom Wanderweg bis zum Hotelbau

Thalfang/Morbach/Hermeskeil Für viele hören sich die Begriffe Eulle, LAG oder Leader nach Fachchinesisch an. Aber hinter diesen Abkürzungen verstecken sich Förderprogramme in Millionenhöhe, die für den ländlichen Raum bestimmt sind. Nicht nur Kommunen, sondern auch Privatleute können Projekte einreichen und einen Zuschuss beantragen.

Voraussetzung ist, dass diese Projekte das Potenzial einer Region verbessern, zum Beispiel die Lebenqualität oder die Attraktivität für Touristen erhöht. Das Leader-Programm zielt auf den ländlichen Raum. Die vermeintlich englisch-sprachige Abkürzung stammt tatsächlich aus dem französischen und steht für "Liaison entre actions de dévelopement de l’économie rurale" - also die Verbindung von Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft. Das Programm stammt von der Europäischen Union, die damit seit 1991 Aktionen im ländlichen Raum unterstützt. Deutschland ist auf insgesamt 321 Förderregionen aufgeteilt. Die Projekte werden von Gremien, in denen unter anderem Vertreter der Kommunen sitzen, pro Förderperiode geprüft und bewilligt.
 Eine dieser Förderregionen ist die LAG Erbeskopf, in deren Geschäftsstelle bei der Verbandsgemeindeverwaltung in Hermeskeil Jens Lauer und Iris Schleimer die Projekte koordinieren. "Das Bewilligungsverfahren ist inzwischen durch Wettbewerb und Punktesystem komplexer geworden", erklärt Iris Schleimer. Nach der Einreichung eines Projektsteckbriefs würde dieser von der LAG in ihrer Versammlung geprüft.
 Anschließend könne erst der Antrag erfolgen, den dann wiederum die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier prüfen müsse. "Das zieht sich hin und entmutigt manche private Interessenten. Wir beraten in unserer Geschäftsstelle in Hermeskeil aber gerne und helfen weiter. Wir wollen besonders die privaten Interessenten nicht alleine lassen," sagt Schleimer.

Das Spektrum reiche dabei von einem hohen Zuschuss für einen Übernachtungsbetrieb auf dem Erbeskopf mit 200 000 Euro bis hin zum Zuschuss für eine Obstpresse in Pluwig (Landkreis Trier-Saarburg). "Neu ist, dass ab sofort auch ehrenamtliche Vorhaben gefördert werden können. Dazu zählen zum Beispiel Jugendförderung, Nachbaschaftshilfen oder Nahversorgungskonzepte", ergänzt Jens Lauer. Diese werden aus dem Entwicklungsprogramm Eulle finanziert. Eulle steht für: Entwicklungsprogramm Umweltmaßnahmen, ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung.
 Der TV gibt einen Überblick über die aktuell bewilligten und bereits fertiggestellten Projekte im Hunsrück - rund eine Million Euro sind so in den vergangenen Jahren zu fast gleichen Teilen in den Hunsrück geflossen: 867 721 Euro, davon 449 765 nach Morbach und 417 956 nach Thalfang.


Einheitsgemeinde Morbach (449 765 Euro Zuschüsse):
Seit 2007 wurden in Morbach acht Projekte realisiert. Im Erholungswald Ortelsbruch wurde 2010 ein Erlebnisspielplatz eingerichtet. Der Zuschuss beträgt 38 668 Euro (83 664 Gesamtinvestition). Der Spielplatz wurde 2012 für 61 428 Euro (26 541 Euro Zuschuss) erweitert. In die Begegnungsstätte Café Heimat flossen bis 2013 108 350 Euro (237 000 Euro Gesamtkosten). Die Einrichtung des Forstbetriebshofes am Standort der Energielandschaft Morbach von 2012 bis 2014 wurde mit 240 185 Euro gefördert. Die Gesamtkosten betrugen 557 281 Euro.
 Die Einrichtung des Jakob-Maria-Mierscheid-Wanderwegs wurde 2013 mit 17 840 Euro (38 925 Euro) unterstützt. Ein Doku-Film für das Holzmuseum in Weiperath erhielt 2014 einen Zuschuss von 5495 Euro (Gesamtkosten 11 888 Euro). Der Vorführraum im Holzmuseum wurde 2014 bis 2015 mit 5028 Euro (Zuschuss: 2623 Euro) aufgewertet. Das neue Design der Zeitschriften der Einheitsgemeinde und deren Logos erhielt im vergangenen Jahr einen Zuschuss von 9063 Euro (Gesamtkosten 16112 Euro). Hier sind bereits alle Projekte abgeschlossen.

Verbandsgemeinde Thalfang (417 956 Euro Zuschüsse):
Auch in den Orten rund um den Erbeskopf wurden Projekte gefördert. Insgesamt sind es 15 Vorhaben, davon in der Förderperiode 2007 bis 2013 neun und in der aktuellen Periode 2014 bis 2020 weitere sechs Projekte.
 Von 2007 bis 2013 waren es: Standortmarketing (12 474 Euro Zuschuss, 26 989 Gesamt), Hochseilgarten am Erbeskopf (18 879, gesamt 266 066 Euro), in einer zweiten Phase, ein Zuschuss von 11 781 Euro bei Gesamtkosten von 85 261 Euro, Imagefilm Erbeskopf (6500 Euro gesamt, 3575 Euro Zuschuss), Wellness Gesundheit-Broschüre 3641 Euro (10 862), Kugelbaum Breit - Herrichtung eines Platzes 24 281 Euro gesamt, Zuschuss 9474 Euro, Kulturbahnhof Thalfang 51 810 Euro Zuschuss (447 177 Euro gesamt), Sanierungsgebiet Breit 3988 (8629 Euro gesamt) Studie Integrationsbetrieb 4345 (18 827 gesamt).
 Zu den Projekten der aktuellen Förderperiode zählen: Instandsetzung der Krackesmühle in Gräfendhron (Ausfluglokal) 37 533 Euro (101 550 Euro gesamt), das Denkmal für den jüdischen Religionsphilosphen Samuel Hirsch mit der Platzgestaltung in Thalfang 7125 Euro (9500 Euro gesamt), die Erneuerung der Dorfmitte in Gielert 48 925 Euro (66 500 Euro gesamt), ein kulturhistorischer Wanderweg in Lückenburg 4406 (5875) und das aktuell laufende Projekt "Wilde Heimat am Erbeskopf", das die Einrichtung eines Übernachtungsbetriebs am Erbeskopf vorsieht, mit 200 000 Euro (647 311 Gesamtkosten).

Foto Holzmuseum Morbach: Klaus Kimmling

Foto Holzmuseum Morbach: Klaus Kimmling

Foto Hochseilgarten: Archiv TV

Foto Hochseilgarten: Archiv TV

04. August 2017

Von: Hans-Peter Linz, Trierischer Volksfreund

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