Bürger

Alter Rüstwagen geht in die USA

14. Mai 2018

Der Morbacher Wehrleiter Marco Knöppel hat die Mitglieder des Morbacher Gemeinderats über die Einsätze im Jahr 2017 informiert. Besonders beeindruckt hat die Ratsmitglieder der hohe Zeitaufwand der Aktiven.

Gebrauchte Feuerwehrautos sind heutzutage sehr gefragt. Was für die Bedürfnisse der einen Wehr nicht mehr reicht, erfüllt seinen Zweck vielleicht noch in einem anderen Ort. Doch der alte Rüstwagen der Freiwilligen Feuerwehr Morbach hat offensichtlich einen ganz besonderen Liebhaber gefunden. Ein Interessent aus Chester Springs in Pennsylvania/USA hat das Fahrzeug, das die Gemeinde auf einer Auktionsplattform in Internet angeboten hat, für 33 433 Euro ersteigert und will es zum Wohnmobil umbauen, sagt der Morbacher Wehrleiter Marco Knöppel.

Der Clou: Da das Fahrzeug älter ist als 25 Jahre, gilt es in den USA als Oldtimer und benötigt nur noch ein Nummernschild am Heck des Fahrzeugs. „Der neue Besitzer hat gesagt, er will das ursprüngliche Kennzeichen des Fahrzeugs vorne dran lassen“, sagt Knöppel.

Der Wehrleiter hat den Mitgliedern des Morbacher Gemeinderats in der jüngsten Sitzung über die Geschehnisse im Jahr 2017 berichtet. Die Mitgliederzahlen in den Morbacher Feuerwehren seien mit 231 Aktiven stabil, sagt der Wehrleiter. Die Einsatzbereitschaft sei deshalb jederzeit gegeben, auch mit Unterstützung der heimischen Betriebe, die die Aktiven im Alarmfall zum Einsatz fahren lassen. Und auch die Jugendfeuerwehr mit 80 Jungen und Mädchen – 15 mehr als im Vorjahr – sei ein wichtiges Standbein für den Nachwuchs in den Wehren.

„Wir sind darauf angewiesen, ältere Quereinsteiger sind selten“, sagt er. Sieben Personen haben 2017 den Weg von den Jugendlichen zu den aktiven Wehrleuten gefunden. Zwischen 30 und 40 Prozent der Jugendlichen wechseln im Normalfall in die aktive Wehr, sagt Knöppel auf eine Frage des SPD-Abgeordneten Theo Wagner.

Die anderen verabschiedeten sich wegen anderer Interessen. Dass die Feuerwehrarbeit intensiv ist, hat Knöppel aufgrund der Einsatzzeiten dargelegt. Jedes Feuerwehrmitglied verbringt durchschnittlich 72 Arbeitstage bei Übungen. Hinzu kommen rund 30 Tage, die sie durchschnittlich im Einsatz leisten.

Besonders viel haben die elf Gerätewarte zu tun: Sie hatten insgesamt zwischen 5000 und 6000 Stunden damit zu tun, die Fahrzeuge, Werkzeuge und Utensilien in Ordnung zu halten. Das entspricht etwa 65 Tagen pro Gerätewart, sagt Knöppel.

Insgesamt sind die Morbacher Wehren 2017 zu 95 Einsätzen ausgerückt. Davon waren 41 Brände, 54 Mal war technische Hilfe gefordert. Einige Einsätze hat Knöppel exemplarisch erwähnt.

Der größte Brand hatte sich in einer Hundheimer Schreinerei ereignet. Diese konnte nach zwei Tagen wieder arbeiten, da es den Aktiven gelungen war, den Brand einzugrenzen. Ein weiterer Brand hatte sich in Bischofsdhron ereignet, bei dem ein Feuer zwischen Dämmung und Hauswand ausgebrochen war. „Wäre es eine Dämmung aus Styropor gewesen, hätte es wahrscheinlich einen großen Gebäudebrand gegeben“, sagt Knöppel.

Gravierend für die Feuerwehrleute sind die Einsätze, bei denen die Aktiven mit Toten und Verletzten zu tun haben. Besonders ein Unfall, bei dem eine Frau mit ihren beiden kleinen Kindern ums Leben gekommen war, hatte den Feuerwehrleuten im Berichtsjahr zu schaffen gemacht.

„Es gibt Aktive, die verkraften es gut, es gibt aber auch andere, denen geht es wochenlang nach“, sagt der Wehrleiter. Eine große Hilfe seien die ausgebildeten Kräfte, die den Aktiven nach solchen Einsätzen beistehen und sie psychologisch betreuen. Knöppel lobt in diesem Zusammenhang ausdrücklich den Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal. Er habe damals mit den Morbacher Feuerwehrleuten gesprochen und sei der Letzte gewesen, der das Feuerwehrhaus verlassen habe.

„Es sind sensible und wichtige Aufgaben, die Sie leisten“, sagt Hackethal zum Wehrleiter. „Es ist gut zu wissen, dass Sie da sind.“

Quelle: 12. Mai 2018, Trierischer Volksfreund, Christoph Strouvelle
Foto: Gemeinde Morbach

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