Allgemein

Insektenfreundliche Wiese statt englischem Rasen

15. Juli 2020

Morbach. Die Gemeinde Morbach startet eine ökologische Initiative und will die Dörfer erblühen lassen.

Die Dörfer in der Einheitsgemeinde Morbach sollen künftig bunter werden. Schmetterlingen, Wildbienen, Käfern und anderen Insekten mangelt es mehr und mehr an Lebensgrundlagen. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: dichte Bebauung, der neue Trend zu Stein- und Schottergärten, aber auch Monokulturen und Pestizid-Einsatz sorgen für ein Insektensterben und einen Rückgang der Artenvielfalt.

Auch in der Gemeinde Morbach will man einen Beitrag zum Artenschutz und zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichtes leisten. Andreas Hackethal, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Morbach, ist deshalb aktiv geworden. Die Kommunalpolitiker in den 19 Ortsbezirken wurden deshalb gebeten, in Absprache mit dem gemeindlichen Bauhof „innerörtliche Grünflächen für die Entwicklung von ökologisch wertvollen Blumenwiesen auszuweisen“. Gedacht ist auch an Wildbienenhäuser und Stein- und Asthaufen, denn Insekten benötigen auch Unterschlupf. Mit dem Vorstoß greift Hackethal allerdings Vorschläge auf, die aus vielen Dörfern selbst an ihn herangetragen werden. Wichtig ist aus seiner Sicht die „Akzeptanz vor Ort“. Ziel sei es, bewusst Grünflächen aus der „regelmäßigen Unterhaltung herauszunehmen“, sprich nicht mehr oder nur selten zu mähen, damit die Insekten Nahrung finden.

Wie sieht man dieses Projekt in den Dörfern? In Morbach selbst ist das Vorhaben einstimmig beschlossen worden. „Und die erste Fläche ist bereits angelegt“, sagt Ortsvorsteher Georg Schuh. In der Hebegasse wurde eine Fläche bereits eingesät. Dort war erst kürzlich ein baufälliges Haus, das die Gemeinde angekauft hat, abgerissen worden. Im nächsten Jahr sollen dort Blumen blühen, die Insekten anlocken. Dem Morbacher Bürgermeister sagt auch die Lage unweit der Morbacher Grundschule zu. Hackethal könnte sich vorstellen, das dort mit Hilfe von Schülern etwa auch Insektenhotels entstehen.

Das Thema Blumenwiesen war im Ortsbezirk laut Schuh unumstritten. Verabschiedet wurde die Beschlussvorlage der Gemeinde einstimmig. Und weitere drei Flächen seien ausgeguckt. Grundsätzlich könne man zwei Wege beschreiten. Schuh: „Entweder lässt man der Natur ihren Lauf und lässt sich Flächen, die nicht mehr gemäht werden, entwickeln.“ Oder wie im Fall Hebegasse werde eingesät. Im Ortsbezirk Morbach werde man beide Wege gehen. Das Saatgut solle regionaltypisch sein. Die schönsten Pflanzen nützten ja nichts, wenn die das Klima oder den Boden nicht vertragen. Doch diese Entscheidung überlasse man dem Morbacher Bauhof.

Auf Zustimmung stieß die Aktion auch in Gonzerath. Dort ist der Ortsvorsteher Christoph Steinmetz von den Mandatsträger beauftragt worden, geeignete Flächen vorzuschlagen. Die zunächst vorgeschlagenen Flurstücke in Gemeindehand – und das sei ja schon sinnvoll – seien allerdings nicht geeignet gewesen, weil sie, so Steinmetz, nicht so „publikumswirksam sind“. Jetzt habe man Flächen an der „Grünen Lunge“ von Gonzerath am Klettbach im Fokus. Dort ist allerdings auch noch mehr geplant. Statt eines Insektenhotels schwebt Steinmetz dort ein sogenannter „Lebensturm“ vor. Das sei ein ziemlich großes Gebilde, in dem nicht nur Insekten, sondern auch andere Lebewesen wie Igel und Schlangen unterkommen sollen.

Das Projekt Blumenwiesen kommt gut an. Steinmetz hätte in Teilen der Bevölkerung durchaus mit etwas Widerstand gerechnet. Immerhin gebe es Bürger, die ihn öfter darauf hinweisen, wo gemäht werden müsse. Aber wenn die Wiesen den Insekten nutzen sollen, dann könne erst im Herbst gemäht werden. Doch in dem Punkt hat er sich getäuscht. Selbst Hardliner hätten ihm jetzt gesagt, er könne auch vor ihrem Haus eine solche Fläche ausweisen.

Anders geht es seinem Amtskollegen in Wolzburg, Joachim Roth. Auch dort sei im Ortsbeirat ein einstimmiger Beschluss pro Artenschutz gefasst worden. Doch im Dorf, da „darf man keine Wiese stehen lassen“. Viele würden eben „englischen Rasen oder Steingärten“ vorziehen. Allerdings gebe es Randstreifen, die mit verschiedensten Obst- aber auch anderen Bäumen bepflanzt sind, Dort bleiben laut Roth die Blumen jetzt stehen.

Quelle: 15. Juli 2020, Trierischer Volksfreund, Ilse Rosenschild
Foto: Florian Roden

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